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60 Jahre bfw -Erfolgsgeschichten-

60 Jahre bfw -Erfolgsgeschichten-

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Erfolgsgeschichten sprechen für sich

Erkrath, April 2013. Dieses Jahr wird das bfw – Unternehmen für Bildung 60 Jahre alt. Wir möchten diesen Anlass nutzen, um nicht nur unser Jubiläum zu feiern, sondern auch die vielen persönlichen Erfolgsgeschichten unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Denn niemand kann lebendiger darstellen, wie Weiterbildung das eigene Leben beeinflusst und positive berufliche Entwicklungen möglich macht, als Menschen, die selbst mit Weiterbildung beruflich vorangekommen sind. Sie sind der lebendige Beweis dafür, wie wertvoll Bildung und Weiterbildung sind. Eine dieser bfw-Erfolgsgeschichten erzählt wie die heutige Airbus-Fluggerätmechanikerin, Stefanie Franke, über eine Umschulung der bfw-Geschäftsstelle Berlin/Brandenburg/Neubrandenburg dorthin gebracht wurde, wo sie immer schon sein wollte: zu den Flugzeugen.

 

Immer ein Ziel vor Augen

Stefanie Frankes Entschiedenheit, ihr Mut und ihre Disziplin haben sie weit gebracht – bis nach Toulouse, in die Zentrale des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Stefanie Franke, 29, wuchs in Eberswalde-Finow auf und hat sich schon als Teenagerin für Flugzeugbau interessiert. Die Höhe. Das Fliegen. Die Mechanik. „Ich habe immer gebastelt und mich für das Handwerkliche begeistert“, wie sie erzählt. Mit 16 erreichte sie den Realschulabschluss, doch nach der Schule fand sich noch keine Gelegenheit, in den gewünschten handwerklichen Bereich einzusteigen. So begann sie in Eberswalde eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Ein halbes Jahre lang arbeitete sie in diesem Beruf, dann musste sie ihr Arbeitgeber auf Grund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen kündigen.

Stefanie Franke, Copyright: Airbus/ Hermann Jansen

„Da es damals keine offenen Stellen in meinem Beruf gab, wurde ich eine Existenzgründerin. Ich eröffnete für drei Jahre ein Bastelgeschäft“, erzählt sie. Doch in der strukturschwachen Region gab es zunehmend mehr und mehr Menschen, die nicht mehr das Einkommen hatten, in das Bastelgeschäft von Stefanie Franke zu kommen und Geld für ein Hobby auszugeben. Die Kleinunternehmerin gab schweren Herzens auf.

Als Frau in einem "Männerberuf"

Kurz darauf las sie im April 2006 eine Anzeige in der Tageszeitung, in der stand, dass das bfw – Unternehmen für Bildung zum ersten Mal eine Umschulung zum/zur Fluggerätmechaniker/in in Berlin durchführte. Anfangs musste Stefanie Franke noch darum kämpfen, den dazugehörigen Bildungsgutschein zu erhalten. Sie setzte sich durch und begann als eine der ersten Umschüler/innen in der Metallwerkstatt des bfw in Berlin-Straußberg. „In einem Männerberuf als Frau muss man sich seinen Standpunkt erarbeiten, das ging bei mir aber immer gut", erzählt sie. In der Metallwerkstatt bohrte, feilte, sägte, nietete und quetschte sie – alles handwerkliche Tätigkeiten, die ihr leicht fielen und die sie schneller und besser erlernte, als viele ihrer Kollegen. Sie saugte den Lernstoff – wie Physik, Chemie, Mathematik – förmlich auf, als wäre es der Sauerstoff für ein neues Leben. Ihr war während der Umschulung zum/zur Fluggerätmechaniker/in eines völlig klar: „Da das Flugzeug irgendwann in die Luft steigt, ist die Arbeit als Fluggerätmechanikerin eine Arbeit mit außerordentlich viel Verantwortung und muss präzise ausgeführt werden.“ Im Juni 2008, zwei Jahre später, bestand sie die Prüfungen vor der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Stefanie Franke hatte bereits vor der Prüfung einen unterschriftsreifen Arbeitsvertrag des Personaldienstleisters Franke + Pahl in der Tasche, zog nach Hamburg um und begann als Franke + Pahl-Mitarbeiterin beim größten europäischen Luftfahrtkonzern Airbus in Hamburg-Finkenwerder ihre Arbeit als ausgebildete Flugzeugmechanikerin. Der 1. Arbeitstag, das weiß sie noch genau, war der 16. Juni 2008. „Die Handhabungen in der Montagehalle waren ganz anders, als ich es gewohnt war. Es war Neuland. Und zugleich stellte ich jeden Tag mehr fest, was für ein tolles Unternehmen Airbus ist und nun bin ich selbst ein Teil seiner Produkte. Fortan stand sie ihre Frau im Bereich des Fahrwerkschachts der berühmten A320-Passagierflugzeuge von Airbus, die man getrost den Mercedes unter den Fliegern nennen kann. Unter dem Center-Tank sitzend, war es ihre Aufgabe die Bauteile präzise und verlässlich einzubauen und zu verbinden.

Konsequent ging sie die letzten zwei Jahre noch einen Schritt weiter und besuchte berufsbegleitend die Meisterschule. Tagsüber auf der Arbeit bei Airbus, abends und samstags die Schule. Wieder meisterte sie die nächste Herausforderung. Seit Februar dieses Jahres darf sie sich Industriemeisterin Fachrichtung Metall nennen. Der Lohn für ihre Mühe: das neue Leben in Toulouse. Was wird sie dort machen? „Ich werde in der Arbeitsvorbereitung für den A380 sitzen und Zeichnungen, Bauabweichungen bearbeiten, damit die Mechanikerinnen und Mechaniker wirksam arbeiten können.“ Nun, in Frankreich, fügen sich zwei Dinge zusammen: die Fähigkeiten einer kaufmännisch geschulten Persönlichkeit und die Fertigkeiten einer handwerklichen Könnerin.

Wie es häufig in ihrem Leben geschieht, weiß sie noch nicht genau, was alles auf sie in Frankreich zukommen wird. „Ich war noch nie in Frankreich und spreche auch noch wenig Französisch“, sagt sie vor ihrer Abreise in einer Mischung aus Fröhlichkeit und Entschiedenheit, „auf das Neue freue ich mich jedoch sehr.“ Sie wollte bereits als Teenagerin zu den Flugzeugen, nun ist sie dort angekommen. Ihren Ausbilder vom bfw in Berlin-Straußberg kennt sie noch immer und hat mit ihm manchmal Kontakt, auch wenn er in den Ruhestand getreten ist. Anerkennend sagt sie, er habe sie während der Umschulung immer fair und gleich behandelt.

Jetzt zieht sie in einer anderes Land um. Wie reist sie nach Toulouse?

Stefanie Franke lacht: „Mit einem Flugzeug, einem Airbus, ist doch klar.“